Bürgerhaus / Georgenhausen-Zeilhard

Kategorie
Veranstaltungsarchitektur

Projekt
Realisierungswettbewerb "Bürgerhaus Georgenhausen / Zeilhard"

Standort
Reinheim, Deutschland

Bearbeitungszeitraum
2018

Auftraggeber
Stadt Reinheim

Größe
1850 mBGF

 

Raumprogramm und funktionale Anforderungen

Im Mittelpunkt des Entwurfs des neuen Bürgerhauses stehen die beiden wichtigsten Nutzungen: Der Bürgersaal und die Vereinsräume.

Eine unabhängige Nutzung beider Räumlichkeiten während des Alltagsgebrauchs des Bürgerhauses, sowie eine gemeinsame Aktivierung bei Großveranstaltungen ist grundlegender Ansatz der Raumordnung des Entwurfs. Um diesen Ansatz stringent zu verfolgen werden die Vereinsräume und der große Bürgersaal über das Foyer direkt von der Straße „Am Mühlbach“ aus erschlossen.  Alle dienenden Räume sind auf der von der Straße abgewandten Seite untergebracht und sind für den Besucher nicht einsehbar.

Das Foyer wird zwischen Bürgersaal und Vereinsräumen durch einen Sanitärkörper geteilt. Somit lassen sich die WC - Anlagen der Versammlungsräume über die beiden öffentlichen Foyerteile auf kurzem Wege erreichen. Neben der Küche ist auch eine großzügige Garderobenfläche teil des Foyers vor dem Bürgersaal den man über zwei große Zugänge betritt. Die beiden Aufgänge neben der Garderobe leiten den Gast zum Balkon im Obergeschoss und von dort aus auf die Empore des Saals. Dort befindet sich zudem der Regieraum mit eigenen Nebenräumen.

Die Teilung des Foyerbereiches für Bürgersaal und Vereinsräume wird ebenfalls durch einen 1m hohen Höhenversatz spürbar. Dieser resultiert aus der Höhe der Bühne und wird aus logistischen Gründen im Backstagebereich und dem Vereinsraum fortgeführt. Dadurch ist eine multifunktionale, barrierefreie Nutzung der Vereinsräume, auch als Künstlergarderobe während Großveranstaltungen, möglich. Der Transport größerer Gegenstände wie zum Beispiel eines Flügels zwischen Bühnenbereich und Vereinsraum ist ebenfalls problemlos möglich. Während der alltäglichen Nutzung des Vereinsraums kann dieser über eine Trennwand geteilt werden, wodurch sich zwei unabhängig vom Foyer erschließbare Vereinsräume ergeben.

Die Anlieferung für den Bühnenbereich funktioniert mit ihrer 1m hohen Laderampe gemeinsam mit der Werkstatt auf gleicher Ebene mit den Bühnenbereichen als optimale Backstage-Einheit.

Der Küchenbereich ist so angeordnet worden, dass die Andienung in den Saal und in das Foyer über Ausgabeflächen bewirtschaftet werden kann. Selbst eine Außenbewirtschaftung ist durch diese Anordnung auf den Vorplatz Richtung Osten möglich. Die Zugänge über die lange Seite des Bürgersaals direkt über das Foyer ermöglichen die freie Wahl eines Teleskoptribünensystems, welche die Parkposition an der hinteren Wandseite hat. Das System bietet 15 Bestuhlungsreihen auf steigendem Niveau und 6 Reihen ebenerdig an. Mit weiteren 84 Plätzen auf der Empore fasst der Bürgersaal insgesamt maximal 504 Besucher bei voller Bestuhlung.

Städtebauliche Qualität und stadträumliche Einbindung

Der neue Baukörper des Bürgerzentrums erstreckt sich entlang der Straße „Am Mühlbach“ und ist somit eine bauliche Ergänzung des sportkulturellen Zentrums Georgenhausens und Zeilhards. Es steht in Verbindung mit der Sporthalle, den Sportfeldern und dem Schul- und Kindergartengebäude im Süden.

Durch den offenen und baulich transparenten Foyerbereich parallel zur Straße bietet das Gebäude eine gefühlte Straßenraumverbreiterung und gibt den Besuchern sein Inneres preis. Der Foyerraum wird somit Teil des öffentlichen Raums der Bürger Georgenhausens und Zeilhards.

 

Die gestaltprägende Formsprache der Dächer ist ebenfalls städteräumlicher Teil der Gemeinde, da das Spiel der Satteldächer mit Wechsel der Firstrichtung aus dem Stadtbild entnommen und transformiert auf das neue Bürgerhaus angewendet wurde. Das Raumverständnis der voluminösen Raumnutzung wird durch die Satteldächer und Kubaturtrennung gestalterisch aufgelöst. Der Baukörper wirkt dadurch kleinteilig und seiner Umgebung angemessen. Die Ablesbarkeit dieser kleinteiligen, inneren Struktur führt somit zu einer besseren Einbindung in den Stadtraum.

Gestalterische und räumliche Qualität

Die Gestaltung der Räumlichkeiten setzt ein angemessenes Volumen voraus. Dass die Kleinstruktur, das einzelne Hauses, strukturell ablesbar ist, was im Konzept der städtebaulichen Qualität wichtig war, wird gestalterisch spürbar, sobald der Bürger das Foyer des Hauses betritt. Im Foyer befindet sich der Nutzer in einer Pufferzone zwischen Außen und Innen. Er blickt auf eine rohe Betonwand, die sich als Fassadenmaterial von außen nach innen zieht, um den Bürgersaal und den Vereinsraum auch im Innenbereich klar ablesbar zu machen. Erst beim Betreten des Bürgersaals, der in seiner Materialität gänzlich in warmem Holz ausgekleidet ist, fühlt sich der Gast wirklich im Innenraum angekommen. Die Pufferzone, das Foyer, ist daher als gestalterisch retardierendes Moment zu sehen; erst das Erleben dieses Raumes lässt den Nutzer die Dramatik der Saalhöhe mit seiner gefalteten Decke und dem Lichteinfall im Zenit bewusst erfahren. Die aus dem städtebaulichen Ansatz auch gestalterisch von Innen sehr interessante Form des Daches vergrößert zusätzlich akustisch optimierend die Innenraumoberfläche für Großveranstaltungen im Bürgersaal. Der gestalterische Ansatz des Saals wird ebenso nur in anderem Maßstab für den teilbaren Vereinsraum angewandt, um dessen Wichtigkeit zu untermalen.

Wirtschaftlichkeit

Das Raumprogramm des Neubaus bezogen auf die geforderten Quadratmeterangaben konnte nahezu optimal umgesetzt werden. Während der Entwurfs- und Kubaturfindungsphase lag ein großes Augenmerkt darauf die Räumlichkeiten nicht höher als nötig, aber auch nicht niedriger als der Nutzung erforderlich und der Architektur notwendig auszuführen. Das Gebäudekonzept fokussiert somit eindeutig die Haupträume des Neubaus: der Bürgersaal, die Vereinsräume und deren verbindender Raum, das Foyer. Alle weiteren, notwendigen aber gestalterisch weniger wichtigeren Räume sind im wirtschaftlichen Sinne hoch effizient umgesetzt worden. Auch der Strukturaufbau der Haupträume, die statisch wenig aufwändigen Konstruktionen und die generell gängigen konstruktiven Details sind in ihrer Ausführung wirtschaftlich umsetzbar.

Barrierefreiheit

Durch die Höhengestaltung des gebäudeangrenzenden Außenraums angepasst auf die inneren Raumbezugshöhen sind im Erdgeschoss alle Räumlichkeiten barrierefrei zu erreichen. Lediglich die Publikumsempore und der Regieraum im Obergeschoss fallen nicht in den Bereich der barrierefrei zu erreichenden Räumlichkeiten.

Längsschnitt

Zurück